Roy Lichtenstein

Sweet Dreams, Baby!

NEUBAU / 22.08.2026–14.03.2027 / Kuratiert von Fabienne Ruppen

Das Kunstmuseum Basel zeigt Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen der Pop-Art-Legende Roy Lichtenstein (1923–1997). Viele der rund fünfzig Werke sind erstmals zu sehen. Anlass für die Ausstellung ist eine grosszügige Schenkung der Roy Lichtenstein Foundation, welche die Bestände im Kupferstichkabinett des Kunstmuseums zu einer der wichtigsten Sammlungen von Lichtensteins Werken ausserhalb der USA machen.

Roy Lichtenstein. Sweet Dreams, Baby! gewährt einen repräsentativen Einblick in Lichtensteins bunte und quirlige Welt. Die Ausstellung zeigt, wie der US-Amerikaner mit eingängigen Motiven, Experimentierfreude und technischer Virtuosität in den 1960er Jahren zum Wegbereiter der Pop Art (vom Englischen «popular», im Sinne von «Populärkultur») wurde. Mit viel Humor und Ironie überführt Lichtenstein die Bildsprache von Konsumgütern, Werbebroschüren und Schaufensterauslagen in die bildende Kunst. Insbesondere die Comic-Ästhetik macht er sich zu eigen: Vergrösserte Details, leuchtende Farben und Rasterpunkte (Ben-Day dots) werden zu seinen Markenzeichen.

Die New Yorker Kunstszene reagiert erst geschockt auf die als banal empfundene Pop Art. Zugleich spricht die vertraute Bildwelt dieser neuen künstlerischen Ausdrucksform ein grosses Publikum an. Das Medium der Druckgrafik spielt dabei aufgrund seiner Reproduzierbarkeit eine wesentliche Rolle: Lichtensteins erste Druckgrafiken in Comic-Ästhetik sind Poster und Einladungen für seine Ausstellungen in der Galerie von Leo Castelli in New York. Sie werden günstig und in hohen Auflagen gedruckt und machen den Künstler weitherum bekannt.

Lichtensteins Beschäftigung mit der Druckgrafik reicht bis in seine Studienzeit zurück. Die Ausstellung zeigt sechs Beispiele aus den späten 1940er und frühen 1950er Jahren, die veranschaulichen, wie intensiv er bereits damals mit unterschiedlichen Drucktechniken experimentierte. Ab den späten 1960er Jahren arbeitet er mit namhaften Druckateliers wie Gemini Graphic Editions Limited in Los Angeles, Tyler Graphics in Bedford, New York, und Graphicstudio an der University of South Florida in Tampa zusammen. Im engen Austausch mit deren Mitarbeitenden entstehen technisch höchst versierte Einzelblätter und Serien. So ist etwa Portrait (1989) das Ergebnis eines 18-stufigen Druckvorgangs. Die Kombination von vier verschiedenen Techniken – Lithografie, Holzschnitt, Siebdruck und dem eigens für dieses Projekt von Graphicstudio entwickelten Wachsdruck – erzeugt überaus abwechslungsreiche Oberflächeneffekte, die von matten Bereichen über glänzende und schillernde Stellen bis hin zu fliessend anmutenden Pinselstrichmotiven reichen.

Über fünf Jahrzehnte schafft Lichtenstein mehr als 350 Siebdrucke, Radierungen, Lithografien sowie Holz- und Linolschnitte. Aus Anlass des 100. Geburtstags des Künstlers im Jahr 2023 hat die Roy Lichtenstein Foundation der Albertina in Wien, dem British Museum in London und dem Kunstmuseum Basel insgesamt rund 100 Druckgrafiken geschenkt und damit drei Referenzsammlungen in Europa begründet. Das Kunstmuseum hat 33 Werke erhalten, die Lichtensteins druckgrafisches Œuvre in seiner ganzen Vielfalt erfahrbar machen. Bedruckte Pappteller (Paper Plates, 1969) zählen ebenso dazu wie eine eigenwillige Neuinterpretation von Vincent van Goghs Sämann (The Sower, 1985) und die monumentale Tapete Wallpaper with Blue Floor Interior (1992).

Die Ausstellung Roy Lichtenstein. Sweet Dreams, Baby! stellt diese Schenkung erstmals dem Basler Publikum vor. Ergänzt wird sie um weitere Druckgrafiken Lichtensteins, von denen erste bereits in den 1960er Jahren in die Sammlung des Kupferstichkabinetts des Kunstmuseums gelangten. Hinzu kommen die Gemälde Hopeless (1963) und Mirror #2 (1970) – beide befinden sich als Dauerleihgaben im Kunstmuseum.

Die Roy Lichtenstein Foundation wurde 1998 von Dorothy Lichtenstein (1939–2024), der Witwe des Künstlers, in New York gegründet. Ihr Anliegen ist es, sein Werk zugänglich zu machen. So hat sie ein Online-Werkverzeichnis erstellt, das kontinuierlich aktualisiert wird.

Sektionen der Ausstellung

Raum 1: Roy Lichtenstein und die Druckgrafik der Pop Art

Mit der Pop Art (vom Englischen «popular», im Sinne von «Populärkultur») halten in den 1950er Jahren die Bildwelten des Alltags Einzug in die Kunst. Die USA stehen nach dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945) vor grossen gesellschaftlichen Widersprüchen. Die Bürgerrechtsbewegung erstarkt, Haushaltsgeräte wie Fernseher oder Kühlschränke werden erschwinglicher und die beginnende Raumfahrt versprüht Zukunftshoffnung. Zugleich führen Kalter Krieg, Vietnamkrieg (1955–1975) und die Ermordung des Präsidenten John F. Kennedy 1963 zu Verunsicherung.

Vor diesem Hintergrund trägt der US-amerikanische Künstler Roy Lichtenstein (1923–1997) massgeblich zu einer neuen Ausdrucksform bei. Auf humorvolle und ironische Weise überführt er die Bildsprache von Konsumgütern und Werbung in die bildende Kunst. Als Stilmittel dienen ihm Merkmale der Massenmedien. Insbesondere macht er sich die Comic-Ästhetik zu eigen: Vergrösserte Details, leuchtende Farben und Rasterpunkte (Ben-Day dots) werden zu seinen Markenzeichen.

Die New Yorker Kunstwelt reagiert zunächst geschockt auf die als trivial empfundene Pop Art. Dafür zieht die vertraute Bildsprache ein breites neues Publikum an. Die Druckgrafik spielt dabei eine wesentliche Rolle. In hohen Auflagen gedruckte Poster und Ausstellungseinladungen machen Lichtenstein weitherum bekannt.

Zur Würdigung des 100. Geburtstags des Künstlers im Jahr 2023 hat die Roy Lichtenstein Foundation dem Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel 33 Druckgrafiken geschenkt, die nun erstmals zu sehen sind. Sie geben einen repräsentativen Einblick in Lichtensteins druckgrafisches Werk. Seine eingängigen Motive treffen in Siebdrucken, Radierungen, Lithografien, Holz- und Linolschnitten auf Experimentierfreude und technische Virtuosität.

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Raum 2: Stillleben — Formen des Alltags

Die Pop Art-Künstler:innen begeistern sich für einfache Alltagsgegenstände. Roy Lichtenstein widmet sich zeit seines Schaffens verschiedensten Nahrungsmitteln und Möbelstücken. Vor allem Gläser und Spiegel wecken sein Interesse. Die transparenten oder spiegelnden Oberflächen abstrahiert er zu Punkten und Geraden.

Die Stillleben veranschaulichen beispielhaft die Spannbreite von Lichtensteins formalem Vokabular. Neben den Rasterpunkten (Ben-Day dots) zählen dazu karikaturartig vergrösserte Pinselstriche. Der Pinselstrich steht für die künstlerische Handschrift und ist letztlich ein Symbol für die Malerei als solche. Eine besonders gewichtige Rolle spielt der Pinselstrich im US-amerikanischen abstrakten Expressionismus der späten 1940er bis 1960er Jahre. Maler:innen dieser Kunstrichtung wollen weniger ein erkennbares Motiv darstellen, als vielmehr durch kühne Pinselführung und Farben Emotionen zum Ausdruck bringen. Lichtenstein führt die persönliche, spontan anmutende malerische Geste ins Absurde, indem er sie aufwendig konstruiert und in die anonyme Comic-Ästhetik übersetzt.

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Raum 3: Neuinterpretationen — Pop Art trifft Kunstgeschichte

Ab Ende der 1960er Jahre beschäftigt sich Roy Lichtenstein besonders intensiv mit der Kunstgeschichte. Im Mittelpunkt steht die Frage, was künstlerischen Stil ausmacht. Lichtenstein identifiziert die wesentlichen Merkmale verschiedener moderner westlicher Kunstströmungen und überträgt diese in sein eigenes Vokabular. Vergrösserung, Vereinfachung und Schematisierung verleihen ikonischen Meisterwerken den Anschein von Massenprodukten. Lichtenstein thematisiert mit diesen Neuinterpretationen die Tatsache, dass einst radikale Kunst längst Eingang in die Populärkultur gefunden hat.

Zeitgleich setzt Lichtensteins Zusammenarbeit mit professionellen Druckateliers wie Gemini G.E.L. (Graphic Editions Limited) in Los Angeles ein. Ihr technisches Können verleiht seinen Druckgrafiken eine zuvor ungekannte Präzision. Fortan entstehen neben Einzelblättern jährlich auch Folgen von sechs bis acht Blättern. Durch die Vervielfältigungs-möglichkeiten der Druckgrafik lässt sich dasselbe Motiv beispielsweise in verschiedenen Farbversionen erproben.

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Raum 4: Innovation — Zusammenarbeit als kreativer Motor

In den 1960er Jahren beginnen in den USA so viele Maler:innen und Bildhauer:innen mit Druckgrafik zu experimentieren, dass von einer Blütezeit (der sogenannten Print Renaissance) gesprochen wird. Roy Lichtenstein ist allerdings bereits seit seinem Studium in den 1940er Jahren mit verschiedensten Techniken vertraut. Mit zunehmender Komplexität seiner Werke ist er immer stärker in den Druckprozess involviert. Die langjährige Zusammenarbeit mit hochprofessionellen Druckateliers regt ihn dazu an, das Potenzial der Druckgrafik immer wieder aufs Neue zu erkunden.

Die Umsetzung der in manchmal über 30 Durchläufen gedruckten Werke ist höchst anspruchsvoll und dauert oft mehrere Monate. Vielen Blättern gemeinsam ist die Kombination unterschiedlicher Drucktechniken. Jede Technik bringt bestimmte Oberflächeneffekte hervor. Die Überlagerung von glänzenden, matten, flach aufliegenden und reliefartig geprägten Schichten verleiht Lichtensteins Druckgrafiken eine sinnliche, dreidimensionale Qualität.

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Raum 5: Dekoration — Pop Art fürs Zuhause

Die Pop Art schöpft ihre Motive und Materialien aus dem zeitgenössischen US-amerikanischen Alltag. Zugleich werden Werke der Pop Art selbst Teil dieses Alltags. Abgesehen von Papptellern entwirft Roy Lichtenstein bedruckte Stoffe und T-Shirts, Packpapier und Tapeten. Er versteht seine Kunst als nützliche Bereicherung des Lebens. Darüber hinaus entwickelt er zahlreiche Wandmalereien und Skulpturen für den öffentlichen Raum.

Dazu passend widmet sich Lichtenstein auch architektonischen Motiven. Immer wieder inszeniert er die Spannung zwischen dreidimensionalem Raum und zweidimensionaler Bildoberfläche. Humorvoll thematisiert er die Kluft zwischen Realität und Abbild. Kunst und Leben fasst er gleichermassen als Fiktion auf. Sein gesamtes Werk kann als Kommentar zur Konsumkultur und zur Vorstellung verstanden werden, dass Geld und materieller Besitz glücklich machen.

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Raum 6: Willkommen in der Lichtenstein Lounge!

Nehmen Sie Platz und vertiefen Sie sich in Publikationen zu Roy Lichtensteins Kunst! Oder schaffen Sie eigene Kompositionen aus Pinselstrichen, Punkten und Rastern an der Magnetwand. Lichtenstein bereitete viele seiner Druckgrafiken mit Collagen vor. Dabei legte er farbige Papiere und Muster übereinander und schob sie nach Belieben hin und her.

Die beiden Ausstellungsplakate aus Bern und Stuttgart stehen stellvertretend für die zahlreichen Gelegenheiten, bei denen das Publikum in Europa Lichtenstein schon früh in seiner Karriere entdecken konnte. Die zwei Plakate für Ausstellungen in New York wiederum wurden als Einladungen verschickt oder als limitierte Auflagen verkauft. Diese erschwinglichen Druckgrafiken sind ein Grund, warum Lichtensteins Kunst bis heute in vielen Wohnzimmern zuhause ist.

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Veranstaltungen zur Ausstellung

Sa 22 Aug

WORKSHOP FÜR KINDER

HAUPTBAU
14:00–16:30

Kinderworkshop: «POW! HUCH… WOW!»

Ob Held:innengeschichten oder persönliche Alltagsbeobachtungen: erzähle Deine Geschichten in nur wenigen Bildern. Anlässlich der neuen Ausstellung des Künstlers Roy Lichtensteins erkunden wir die Welt der Comics und bringen fantastische Abenteuer und grosse Gefühle in kleinen Zines auf Papier. Alter: 7-10 Jahren. Kosten: CHF 15 / mit Familienpass CHF 10, Ticket erforderlich via Ticketlink.

Mi 26 Aug

KURATOR:INNENFÜHRUNG

NEUBAU
18:30–19:30

Kuratorinnenführung: «Roy Lichtenstein. Sweet Dreams, Baby!»

Führung in der Ausstellung mit der Kuratorin Fabienne Ruppen. Kosten: Eintritt + CHF 7

So 27 Sept

FÜHRUNG

NEUBAU
15:00–16:00

Führung in der Ausstellung «Roy Lichtenstein. Sweet Dreams, Baby!»

Kosten: Eintritt + CHF 7

Di 6 Okt

FÜHRUNG

NEUBAU
12:30–13:00

30 Minuten: Drucktechniken in Roy Lichtensteins «Brushstroke Figures»

Mit dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Gerry Fässler. Kosten: Eintritt

Mi 7 Okt

WORKSHOP

HAUPTBAU
17:00–20:00

Mitmach-Mittwoch: Von Comics und anderen Geschichten

Im 18. Jahrhundert kam erstmals der Begriff Comic für Witzzeichnungen auf. Inspiriert von Roy Lichtenstein, der sich ebenfalls sehr für dieses Medium interessierte, rücken wir unterschiedlichste Blicke, Ausschnitte und Motive des Museums durch malerische Vergrösserung in ein neues Licht und erzählen neue Geschichten. Alter ab 14 Jahren. Kostenlose Teilnahme, ohne Anmeldung

So 25 Okt

FÜHRUNG

NEUBAU
15:00–16:00

Führung in der Ausstellung «Roy Lichtenstein. Sweet Dreams, Baby!»

Kosten: Eintritt + CHF 7