Freundschaft, Sammeln, Kunstsinn

Karl und Marianne Im Obersteg

HAUPTBAU / 01.09.2026–07.02.2027 / Kuratiert von Géraldine Meyer, Greta Schweizer, Nina Schweizer

Wie persönliche Beziehungen eine Kunstsammlung prägen können, zeigt die Ausstellung Freundschaft, Sammeln, Kunstsinn im Kunstmuseum Basel | Hauptbau. Rund vierzig Werke und mehrere Briefe veranschaulichen, wie aus dem Austausch des Ehepaars Karl und Marianne Im Obersteg mit Künstler:innen ihrer Zeit eine Sammlung der klassischen Moderne entstand. Einige dieser Briefe sind zu lesen, andere zu hören: Schauspieler haben den Worten von Karl Im Obersteg und ausgewählten Künstlern eine Stimme verliehen.

Karl (1883–1969) und seine Frau Marianne Im Obersteg (1892–1936) standen in engem Kontakt mit den Künstler:innen Cuno Amiet (1868–1961), Marc Chagall (1887–1985), Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Alexej von Jawlensky (1864–1941) und Marianne von Werefkin (1860–1938) sowie dem Tanzpaar Alexander Sacharoff (1886–1963) und Clotilde von Derp Sacharoff (1892–1974). Aus diesen Freundschaften wuchs eine Sammlung von rund 220 Werken, darunter Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier, und ein umfangreicher Bestand an Briefen.

Die Briefe erzählen von künstlerischem Austausch, von Unterstützung in schwierigen Kriegszeiten, von Konflikten wegen Werkrepliken und gemeinsamer Trauer. Gleichzeitig dokumentieren sie die Entstehung von Ausstellungen und den Kauf, den Verkauf und die Vermittlung von Kunstwerken.

Die Stiftung Im Obersteg wurde 1992 von Karl und Mariannes Schwiegertochter Doris Im Obersteg-Lerch (1931–2015) gegründet und hat seit 2004 ihren Sitz in Basel. Die Sammlung ist seitdem als Depositum im Kunstmuseum Basel. Zweck der Stiftung ist es, die Sammlung zu erhalten und sie durch Ausstellungen und Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Die Präsentation Freundschaft, Sammeln, Kunstsinn begleitet die Ausstellung Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet. Die Sammlerin und Pionierin Gertrud Dübi-Müller, die zeitgleich im Kunstmuseum Basel | Neubau zu sehen ist (19.9.2026–7.2.2027). Gertrud Dübi-Müller und Karl Im Obersteg kannten sich zwar nur flüchtig, bewegten sich aber in ähnlichen Kreisen. Beide standen in engem Kontakt zu Amiet, nahmen bei ihm Malunterricht und sammelten seine Werke. Als Freund:innen und Förder:innen begleiteten sie sein Schaffen über Jahrzehnte.

Die Sammlung von Dübi-Müller wurde ins Kunstmuseum Solothurn integriert. Damit stehen das Ehepaar Im Obersteg und Gertrud Dübi-Müller in einer Tradition des Sammelns, wie sie sich im frühen 20. Jahrhundert in der Schweiz entwickelte: Aus engen Kontakten zu Künstler:innen wuchsen Privatsammlungen, die heute als Dauerleihgaben oder Vermächtnisse in öffentlichen Museen zu sehen sind.