Fragen der Zeit


Bedeutende Denker:innen aus verschiedenen Disziplinen nehmen Stellung zu drängenden Fragen der Gegenwart und beleuchten kritische Zusammenhänge, die die heutigen Gesellschaften umtreiben.

Die Veranstaltungsreihe ist eine Kooperation des Kunstmuseum Basel und des Literaturhaus Basel. Pro Jahr finden 3–4 Termine statt.

Gespräch #2: 27. November 2021, 19 Uhr

Édouard Louis, «Die Freiheit einer Frau»

Mit seinem autobiographischen Debüt «Das Ende von Eddy», in dem Édouard Louis von seiner Kindheit und Flucht aus prekärsten Verhältnissen in einem nordfranzösischen Dorf erzählt, wurde er zum literarischen Shootingstar. Nach einem Buch über seinen Vater hat Édouard Louis nun eine Hommage an seine Mutter geschrieben: Eines Tages stand sie einfach auf und ging. Weg aus der Gegend, weg von ihrem zweiten Mann, der wie der erste soff und sie demütigte. Édouard Louis erzählt eindringlich und gnadenlos vom Wunsch, als Kind eine andere Mutter zu haben, und vom grossen Glück, sie heute als befreite und glückliche Frau zu erleben. «Louis‘ Worte haben Gewicht, ohne schwer zu sein, sie kommen aufrecht daher, ohne den Zeigefinger zu heben. Sie verkörpern eine Haltung.» (NZZ)

Moderation und Übersetzun: Eric Facon
Lesung (deutsch): Mario Fuchs

Tickets gibt es beim Literaturhaus Basel.

Gespräch #3: 6. Mai 2022, 19 Uhr

Sophie Passmann, «Komplett Gänsehaut»

So­phie Pass­mann ent­larvt in ih­rem neu­en Werk den un­er­träg­li­chen Ha­bi­tus ei­ner Bür­ger­lich­keit, durch die sie selbst ge­prägt wur­de. Ei­ne Pass­mann­sche Sua­da at its best. Bloss nicht so wer­den, wie al­le an­de­ren um sich her­um. Bloss nicht so wer­den, wie man schon längst ist. Bloss schnell er­wach­sen wer­den, um in die tran­szen­den­ta­le Form des Ver­klä­rens ein­tau­chen zu dür­fen, die Ju­gend als "die be­ste Zeit des Le­ben­s" zu fei­ern. Sie geht ve­he­ment vor ge­gen die he­do­ni­sti­sche Hal­tung ei­ner wohl­ge­merkt nicht ho­mo­ge­nen Ge­ne­ra­ti­on, die ihr selbst nur all­zu be­kannt ist. Es ist kein Me­moi­r, kein Ro­man, kei­ne Bio­gra­fie, es ist: li­te­ra­ri­scher Selbst­has­s.

Tickets gibt es beim Literaturhaus Basel.

Gespräch #1: 29. April 2021, 19 Uhr

Elif Shafak, «Hört einander zu!»

Moderation: Jennifer Khakshouri

Das Gespräch wird auf Englisch geführt.

«Wir müssen intellektuelle Nomaden werden, immer unterwegs, immer lernbegierig, müssen dem Drang widerstehen, in kulturellen und geistigen Gettos zu verharren.» Das sagt die renommierte Autorin Elif Shafak in ihrem Essay: «Hört einander zu!». Angesichts der gespaltenen Gesellschaften, der vielen marginalisierten Stimmen und zunehmender Intoleranz in den Social Media-Blasen appelliert die gefragte Intellektuelle an unsere Bereitschaft zuzuhören. Sie unterstreicht die Wichtigkeit davon, möglichst diversen Geschichten Gehör zu verschaffen und zu schenken, um Werte wie Demokratie, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zu stärken.

Elif Shafak (geb. 1971 in Strassburg) gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Ihre Werke wurden in über fünfzig Sprachen übersetzt. Zu ihren bekanntesten Romanen zählen Die vierzig Geheimnisse der Liebe (2013) und Ehre (2014). Mit Unerhörte Stimmen (2019) stand sie auf der Shortlist des Man Booker Prize. Ihre Artikel und Auftritte machten sie zum viel beachteten Sprachrohr für Gleichberechtigung und freiheitliche Werte zunächst in der Türkei, später in ganz Europa. Elif Shafak lebt in London.

Sat27Nov

NEUBAU
19:00–20:30

Issues of our Time. Édouard Louis

in Kooperation mit dem Literaturhaus Basel. Kosten: CHF 25/20