Termin: Sonntag, 31. Mai 2026, 11 Uhr – 12 Uhr
Ort: Gegenwart
Kostenlose Teilnahme, Ticket erforderlich via Ticketlink
Veranstaltung mit konsekutiver Übersetzung aus dem Mandarin ins Deutsche
Cao Fei (geb. 1978, Guangzhou) gilt als Pionierin digitaler Kunstwelten. In Video und Installation verbindet sie Dokumentation und Surrealität und untersucht, wie Technologie, Globalisierung und Wachstum unser Leben im 21. Jahrhundert prägen.
Im Gespräch gewährt Cao Fei Einblicke in ihr Denken und ihre vielschichtige künstlerische Praxis an der Schnittstelle von Gegenwart und naher Zukunft. Ihre Ausstellung Testimonies to the Near Future verwandelt das Museum in eine stadtähnliche Struktur und beleuchtet den urbanen Raum als soziale Infrastruktur, psychologische Landschaft und digitale Schnittstelle – geprägt von Arbeit, Technologie, Erinnerung und Sehnsucht.
Cao Fei arbeitet mit Film, Installationen und Online-Plattformen und versteht virtuelle Räume als Erfahrungs- und Experimentierfelder, in denen Identitäten performativ erprobt werden. Dabei beginnen die Grenzen zwischen Körper und Avatar ebenso zu verschwimmen wie jene zwischen physischem und digitalem Raum.
Ausgehend von den Werken in der Ausstellung richtet sich das Künstlerinnengespräch auf Cao Feis Bildsprache, die dokumentarische Strategien mit spekulativer Weltgestaltung verbindet und kritische Beobachtung mit poetischer Verdichtung vereint. In Cao Feis Werk erscheint die Zukunft nicht als ferne Vision, sondern als ein Prozess, der sich bereits in der Gegenwart formt.
Am Gespräch nehmen Cao Fei (Künstlerin), Daniel Kurjaković (Kurator Programme) und Stephanie Seidel (Kuratorin und Leitung Gegenwart) teil.
Cao Fei, geboren 1978 in Guangzhou, China, gilt als eine der prägenden Pionierinnen bei der Erschaffung digitaler Welten. Bereits ihre frühen Arbeiten beeinflussten eine ganze Generation von Künstler:innen – in Asien ebenso wie international. Seit über zwei Jahrzehnten nimmt sie eine führende Rolle in der Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen von Kunst, Medien, Technologie und Zukunft ein.
In ihrem vielschichtigen Werk widmet sich Cao Fei zentralen Aspekten unserer Gegenwart und hinterfragt, was es bedeutet, im dynamischen Gefüge des 21. Jahrhunderts Mensch zu sein. Medienübergreifend verbindet sie dokumentarische Ansätze mit surrealen Elementen und schafft so dichte Reflexionsräume. Im Fokus stehen dabei die Auswirkungen von wirtschaftlichem Wachstum, technologischer Entwicklung und Globalisierung auf gesellschaftliche Strukturen – jedoch ohne in kulturpessimistische Narrative zu verfallen.
Charakteristisch für ihre Arbeit ist die präzise Verschränkung von Realität und Fiktion: Spekulative und surreale Motive durchziehen ihre oft nahezu dokumentarischen Werke und eröffnen neue Perspektiven auf das Alltägliche. In raumgreifenden Installationen wird diese Ästhetik weitergeführt, indem filmische Inhalte in den physischen Ausstellungsraum übersetzt werden. So entstehen komplexe Erfahrungsräume, die die Grenzen zwischen virtueller und realer Welt zunehmend auflösen.
Cao Fei wurde mit dem SCAD deFINE ART Award (2024) sowie dem Deutsche Börse Photography Foundation Prize (2021) ausgezeichnet. 2010 war sie für den Hugo Boss Prize und den Future Generation Art Prize nominiert. Zudem erhielt sie beim China Contemporary Art Award (CCAA) die Auszeichnungen «Best Young Artist» (2006) und «Best Artist» (2016).
Cao Fei hatte bereits zahlreiche internationale Einzelausstellungen, unter anderem in folgenden Institutionen: Museum of Art Pudong, Shanghai (2024), Lenbachhaus, München (2024), Pinacoteca de São Paulo (2023), MAXXI – Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rom (2021), UCCA Center for Contemporary Art, Beijing (2021), Espace Louis Vuitton, München (2021), Serpentine Gallery, London (2020), Centre Pompidou, Paris (2019), Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (2018), Tai Kwun Contemporary, Hongkong (2018) sowie MoMA PS1, New York (2016).
Zu ihren jüngeren Gruppenausstellungen zählen Paraventi, Fondazione Prada, Mailand (2023), A Gateway to Possible Worlds, Centre Pompidou-Metz, Metz (2022), Post-Capital, Kunsthal Charlottenborg, Kopenhagen (2022), Is This Tomorrow?, Whitechapel Gallery, London (2019), Art and China after 1989: Theater of the World, San Francisco Museum of Modern Art (2019), Extreme. Nomads, MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main (2018) sowie One Hand Clapping, Solomon R. Guggenheim Museum, New York (2018).
Darüber hinaus nahm Cao Fei an zahlreichen Biennalen und Triennalen teil, darunter die Shanghai Biennale (2004), die Moscow Biennale (2005), die Taipei Biennale (2006), die Biennale of Sydney (2006 und 2010), die Istanbul Biennale (2007), die Yokohama Triennale (2008) sowie die Biennale von Venedig (2003, 2007 und 2015).