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Variation in Print

Amerikanische Druckgrafik

HAUPTBAU Zwischengeschoss / 30.04.–28.08.2022 / Kuratorin: Dr. Judith Rauser

Parallel zu Brice Marden. Inner Space zeigt das Kupferstichkabinett eine Auswahl amerikanischer Druckgrafik mit teils selten ausgestellten, teils neu in die Sammlung eingegangenen Werken von Barnett Newman, Jasper Johns, Sam Francis, Frank Stella, Donald Judd, Sol LeWitt und Brice Marden. Für diese und viele weitere Künstler:innen, die dem Abstrakten Expressionismus, der Pop Art, der Minimal Art oder der Konzeptkunst zugeordnet werden, spielt die Druckgrafik eine besondere Rolle in ihrer Arbeit.

Brice Marden: Cold Mountain Series, Zen Studies, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Foto: Jonas Hänggi, ©2022, ProLitteris, Zurich

Brice Marden: Cold Mountain Series, Zen Studies, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, Foto: Jonas Hänggi, ©2022, ProLitteris, Zurich

Sie beschäftigen sich ab den 1960er-Jahren so intensiv mit dem Medium, dass dieses Phänomen als «Print Renaissance» und «Graphic Boom» beschrieben wird. Die medialen und technischen Eigenheiten des Drucks liefern Anregungen, die zentral für ihr künstlerisches Konzept werden. Dazu zählen zum Beispiel die serielle Wiederholung, die Verwendung vorgefundener Motive und die Aufteilung von Idee und Ausführung des Druckes auf mehrere Beteiligte. Dass es die Druckgrafik erlaubt, eine Vielzahl von Exemplaren zu produzieren, wird als grosser Vorteil verstanden – und nicht als Eigenschaft, die den Wert des Prints relativiert.
Die ausgewählten Blätter zeigen eine Bandbreite von schlichter Linie bis zu kalligrafischer Opulenz, von strenger Form bis zu bewegter Geste, von schwarz-weisser Reduktion bis zu überbordender Farbe und sind damit Zeichen für das stetige Variieren und Experimentieren in der Druckkunst.

Sam Francis, Coldest Stone, 1960, Kunstmuseum Basel, Foto: Jonas Hänggi, © Sam Francis Foundation, California / 2022, Pro Litteris, Zurich

Sam Francis, Coldest Stone, 1960, Kunstmuseum Basel, Foto: Jonas Hänggi, © Sam Francis Foundation, California / 2022, Pro Litteris, Zurich

Zeichnen und Malen
Mitte der 1960er Jahre etablierte sich Brice Marden mit monochromen Tafeln von grosser Farbwirkung und emotional geprägten Zeichnungen. Mit der Zeit entwickelten sich die grossformatigen und mehrteiligen Bilder zu komplexen Auseinandersetzungen mit Fläche und Farbe, die sich als Landschaften und Architekturen lesen lassen. Im Zentrum seiner malerischen und zeichnerischen Praktiken steht gleichermassen ein Interesse an Linien, Gesten und an der Beschränkung auf einfache Mittel und Materialien. Früh forderte Marden für seine Zeichnungen eigenständige Wertschätzung und lud Betrachter:innen 1979 ein, diese «als Räume» zu betrachten. Er verdeutlicht damit, dass die Zeichnung für ihn ein Medium ist, das nicht nur in mehr als zwei Dimensionen existiert, sondern auch in der Lage ist, die Erfahrung eines bestimmten Ortes zu widerspiegeln.