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Hermann Scherer

Kerben und Kanten

NEUBAU / 15.01.–18.04.2022 / Kuratorin: Dr. Marion Heisterberg

Im Schaffen des in Basel ansässigen Expressionisten Hermann Scherer (1893–1927) sind seine letzten zweieinhalb Lebensjahre zentral. In dieser Zeit wird «Scherer zu Scherer»: Er löst sich endgültig von früheren Einflüssen (Aristide Maillol, Carl Burckhardt, Auguste Rodin) und schlägt – von Ernst Ludwig Kirchner inspiriert – eine radikal neue Richtung ein. Erstmals arbeitet der gelernte Steinmetz in Holz.

Die Ausstellung stellt Hermann Scherers grafisches Schaffen in Holz in den Fokus. Sie widmet sich damit der produktivsten Schaffensphase im Leben des Künstlers, in der über 100 Holzschnitte und mehr als 25 Holzskulpturen entstanden. Erstmals wird ein Grossteil der Druckstöcke, die seit über 80 Jahren im Kunstmuseum Basel ruhen, öffentlich zu sehen sein – zusammen mit Drucken, die davon genommen wurden.

Der Holzschnitt führt Scherer zu einer abstrahierend-flächigen Formreduktion, die auf seine Art zu zeichnen und zu malen zurückwirkt: Geschwungene Silhouetten weichen kantigen Formen und der Spur des energischen Hiebs.

«Druck» ist somit in mehrfacher Hinsicht Thema der Ausstellung: Einerseits im energisch-druckvollen Spanen und Kerben des Künstlers in seinen Holzstöcken. Andererseits wird der experimentelle Charakter des händischen Anfertigens von Druckabzügen auf unterschiedlichen Papieren vor Augen geführt. Die für Scherer wichtigen Lebensthemen wie Liebe und Triebhaftigkeit, Zwei- und Einsamkeit, Existenzangst und Exzess finden in seinen Holzschnitten ihre wohl schärfste Zuspitzung.