Aufgabe der Provenienzforschung ist die Erforschung der Herkunft eines Werkes von dessen Entstehung bis zu seinem heutigen Standort. Ziel ist es, die Eigentumsverhältnisse und Handwechsel in einer möglichst lückenlosen Abfolge zu dokumentieren.

Im Einklang mit dem ICOM Code of Ethics erachtet die Öffentliche Kunstsammlung Basel, gemeinsam mit der sie beratenden Kunstkommission, die Bemühungen um einen ehrlichen und transparenten Umgang mit der Geschichte ihrer Museumsbestände als moralische Pflicht und wissenschaftlichen Anspruch. Zudem hat sie sich auf die Einhaltung der Washingtoner Vereinbarung verpflichtet. Die 1998 verabschiedeten und von 44 Staaten unterzeichneten Washingtoner Richtlinien sind ein Bekenntnis zu einer aktiven und wachsamen Beteiligung an der Identifizierung von NS-Raubkunst bzw. von Zwangsverkäufen, die unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten getätigt wurden.

Vor diesem Hintergrund und im Kontext der Untersuchungen der Unabhängigen Expertenkommission Schweiz-Zweiter Weltkrieg (UEK) wurde in den Jahren 2000/2001 der Archivbestand der Öffentlichen Kunstsammlung bis 1960 systematisch geordnet und erschlossen. Zeitgleich erfolgte eine erste Sondierung des Gemälde- und Skulpturenbestandes im Hinblick auf Raubkunstverdacht. Zwischen 2010 und 2013 konnte dank eines durch Drittmittel geförderten Projektes der gesamte Gemälde- und Skulpturenbestand wissenschaftlich aufgearbeitet und in einen elektronischen Sammlungskatalog überführt werden, der über die Sammlung Online öffentlich zugänglich ist. Das in diesem Zusammenhang erstellte Dokumentationsmaterial bietet eine wertvolle Grundlage für die weitere Forschung im Haus. Auf dieser Basis sind in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche Dossiers zur Herkunft einzelner Werke oder Sammlungskonvolute entstanden.

Von Herbst 2016 bis Ende August 2018 ermöglichte ein vom Bundesamt für Kultur (BAK) gefördertes Projekt nun erstmals eine eingehende Beschäftigung mit dem höchst anspruchsvollen Themenkomplex der Provenienzforschung. In diesem Rahmen wurde die Herkunft aller rund 380 Gemälde und Skulpturen untersucht, die im Zeitraum zwischen 1933 und 1945 Eingang in die Öffentliche Kunstsammlung Basel fanden. Durch die systematische Auswertung und Zusammenführung aller verfügbaren Quellen wird die Basler Sammlungspolitik dieser Jahre unter der Ägide der Konservatoren Otto Fischer (1928-1939) und Georg Schmidt (1939-1962) in ihrem historischen Zusammenhang greifbar. Die Ergebnisse der Forschungen sind in der Sammlung Online veröffentlicht. Einen Überblick über alle untersuchten Werke bietet die untenstehende Liste.

Für die Jahre 2019 bis 2020 hat das BAK erneut grosszügige Förderbeiträge gesprochen. Diese ermöglichen zum einen, die im oben genannten Projekt durchgeführten Forschungen nun auf die in den Nachkriegsjahren (bis 1962) erworbenen Gemälde und Skulpturen auszudehnen. Ein weiteres Projekt widmet sich der Untersuchung von rund 2000 Zeichnungen des Kupferstichkabinetts, die in den Jahren 1933 bis 1945 in die Sammlung gelangt sind. Hierfür werden diese Werke zunächst digitalisiert, was dank der finanziellen Unterstützung durch die Karl und Sophie Binding-Stiftung realisiert werden kann. Im Anschluss daran wird der Bedarf für eine vertiefte Erforschung der Provenienz sondiert. Die Ergebnisse aus diesen beiden Projekten werden nach Abschluss der Forschungen ebenfalls über die Sammlung Online publiziert.


Projekt Provenienzforschung 2016-2018