Das Kunstmuseum Basel hat die Räume für Kunst des 20. Jahrhunderts im zweiten Obergeschoss des Hauptbaus neu eingerichtet und zeigt die Meisterwerke der Klassischen Moderne in neuer Konstellation. Gleichzeitig wurde die Richtung des Rundgangs geändert und an denjenigen der Sammlung der Altmeister und der Kunst des 19. Jahrhunderts im ersten Obergeschoss angepasst, um das Besuchererlebnis konsistenter zu gestalten. Der Rundgang startet deshalb neu auf der linken Seite des Treppenhauses.

Ziel des neuen Rundgangs ist es, die Sammlung zu aktivieren und dem Besucher mehr Informationen anzubieten, damit die exzellente Qualität und Geschichte der Sammlung auf vielseitigere Weise wahrgenommen werden kann.

Mehrere Kurztexte zu diesen Sammlungsmomenten berichten von Ereignissen in der Sammlungsgeschichte des Kunstmuseums Basel, mit denen die Bestände signifikant gewachsen sind. Dazu gehören das Jahr 1939, die Picasso-Schenkungen, die Schenkungen Raoul La Roche und Marguerite Arp-Hagenbach, sowie der Zuwachs durch die Sammlung Im Obersteg, die Emanuel Hoffmann- und die Alberto Giacometti-Stiftung.


Schenkung Picasso

Als 1967 der Verkauf der zwei hochbedeutenden Picasso-Gemälde Les deux frères (1906) und Arlequin assis (1923) drohte, die lange Jahre als Deposita im Kunstmuseum Basel zu sehen waren, beschlossen die Basler mit einer Volksabstimmung den Ankauf dieser Werke durch die öffentliche Hand, unter der Voraussetzung, dass 2,4 Millionen Franken privat aufgetrieben werden. Eine engagierte Bürgerbewegung brachte im sogenannten „Bettler-fest“ gemeinsam die fehlende Restsumme auf. Als Picasso von den Ereignissen in Basel erfuhr, schenkte er der Stadt vier weitere Werke: Homme, femme et enfant (1906), eine Entwurfszeichnung zu den Demoiselles d’Avignon (1907) sowie die beiden grossen Spätwerke Vénus et l’amour und Le couple von 1967 (Raum 12). Der damalige Direktor des Kunstmuseums Basel, Franz Meyer, durfte sie persönlich im Atelier des Künstlers auswählen. Inspiriert durch die Picasso-Euphorie ergänzte schliesslich Maja Sacher-Stehlin die Schenkungen von 1967 um das wichtige kubistische Werk Le poète von 1912 (derzeit als Leihgabe in Mexiko-Stadt).

Schenkungen Raoul La Roche I

Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der Basler Bankier Raoul La Roche (1889–1965) in Paris. 1918 lernte er Charles-Édouard Jeanneret kennen und wenig später dessen Freund und Künstlerkollegen, den puristischen Maler Amédée Ozenfant. Beide hatten wesentlichen Anteil am Aufbau von La Roches erstklassiger Kubismus-Sammlung, die Meisterwerke von Picasso, Gris, Braque und Léger umfasste. Angesichts der schnell wachsenden Kunstsammlung schlug Jeanneret, der später als Le Corbusier bekannt war, den Bau eines Stadthauses vor. Mit der Villa La Roche in Paris realisierte der junge Architekt 1923–1925 ein programmatisches Projekt. In drei Etappen, 1952, 1956 und 1963, schenkte La Roche dem Kunstmuseum Basel insgesamt 90 eminente Werke seiner Sammlung, die heute einen Grossteil des Renommées des Basler Kubismus-bestandes ausmachen. Auch puristische Werke von Ozenfant und Le Corbusier waren Teil von La Roches Schenkungen.

Schenkung Raoul La Roche II

In drei Etappen, 1952, 1956 und 1963, schenkte Raoul La Roche dem Kunstmuseum Basel insgesamt 90 eminente Werke seiner Sammlung, die heute einen Grossteil des Renommées des Basler Kubis-musbestandes ausmachen. In der ursprünglichen Sammlung La Roches befanden sich alleine 21 Werke von Fernand Léger – allesamt zwischen 1912 und 1929 entstanden. Davon gingen schliess-lich 17 als Schenkungen an das Kunstmuseum Basel. Teil dieses umfassenden Konvoluts ist auch das frühe Schlüsselwerk La femme en bleu (1912), die «version définitive» von insgesamt drei überlieferten Fassungen des Bildthemas. Viele Werke der Sammlung La Roche stammen aus den «ventes» der Galerien Kahnweiler und Uhde, deren gesamte Bestände beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs aufgrund der deutschen Staatsangehörigkeit der Kunsthändler konfisziert worden waren und in den Jahren 1921–1923 versteigert wurden. Auf den Rat von Le Corbusier und Amédée Ozenfant hin erwarb Raoul La Roche insbesondere Werke von Picasso, Léger und Braque.

Das Jahr 1939

1939 kamen unter historisch aussergewöhnlichen Umständen 21 Werke aus ehemaligem deutschem Museumsbesitz nach Basel. Wie die anderen in unserem Rundgang angesprochenen Konvolute aus Stiftungen, Schenkungen oder Nachlässen markieren diese Ankäufe einen bedeutenden Moment in der Entwicklung und Ausrichtung der Sammlung des Kunstmuseums. Die Nationalsozialisten hatten seit 1937 tausende von Kunstwerken als „entartet“ diffamiert und aus den deutschen Museen beschlagnahmt. Etwa ein Drittel wurde für den Verkauf ins Ausland bestimmt. Der damalige Direktor des Kunstmuseums Basel, Georg Schmidt, erwarb mit einem Sonderkredit der Basler Regierung auf einer Auktion in Luzern und aus einem Depot in Berlin vor allem Werke moderner deutscher Kunst; er baute damit einen in der Sammlung zuvor kaum repräsentierten Bereich zu einem wichtigen Schwerpunkt aus. Mit den Erwer-bungen der verfemten und gefährdeten Werke verband er ausdrücklich den Wunsch, „dieser Kunst überhaupt eine neue Heimat zu bereiten“.

Sammlung Im Obersteg I

Die rund 220 Werke umfassende Privatsammlung des Basler Speditionsunternehmers Karl Im Obersteg (1883–1969) wurde 1992 in eine Stiftung überführt und hat seit 2004 als Dauerleihgabe ihr Domizil im Kunstmuseum Basel. Freundschaften mit Künstlern wie Alexej von Jawlensky und die Vorliebe für figurative und expressive Malerei prägten die jeweiligen Ankäufe. Die Ausdruckskraft der Farbe und der eindringliche bis melancholische Blick auf die menschliche Existenz bilden die leitmotivischen Konstanten. Beispielhaft hierfür ist die Buveuse d’absinthe (1901) des knapp 20jährigen Pablo Picasso – ein Spitzenwerk der beginnenden Blauen Periode. Marc Chagalls berühmte drei Judenbildnisse von 1914 sind Hauptwerke von einzigartiger künst-lerischer Intensität und weisen komplexe Inhalte auf. Inspiriert von Fauvismus und Kubismus verweisen sie als monumentale, moderne Men-schenbilder auf die bedrohliche Lage der jüdischen Bevölkerung Russlands in der Zeit des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution.

Emanuel Hoffmann-Stiftung I

Das umfassendste und kunsthistorisch bedeu-tendste Depositum im Kunstmuseum Basel bilden die umfangreichen Bestände der Emanuel Hoffmann-Stiftung. 1933 auf der modernen Sammlung des Ehepaars Maja und Emanuel Hoffmann-Stehlin begründet, sammelt die Stiftung bis heute fortwährend Gegenwartskunst und er-gänzt, seit 1941 eng mit der Öffentlichen Kunstsammlung Basel verbunden, geradezu ideal die Bestände des Kunstmuseums. Ein Beispiel für das gegenwartsbezogene Enga-gement der Stiftung ist Richard Longs Skulptur Stone Line von 1977, die im Entstehungsjahr angekauft wurde. Über 9 Meter erstreckt sich das Feld der mehr als 200 Basaltbruchstücke unter-schiedlicher Grösse, die sich an keiner Stelle berühren. Die Anordnung erfolgt, bis auf die vier Eckpunkte, zufällig, aber gleichmässig. Die Steine stammen aus der Gegend von Buchs und wurden für Longs Ausstellung in der Berner Kunsthalle 1977 erstmals arrangiert. Im Titel ist mit der Linie auch die horizontale Ausrichtung angelegt, die den Blick in die Ferne lenkt.

Emanuel Hoffmann-Stiftung II

Das umfassendste und kunsthistorisch bedeutendste Depositum im Kunstmuseum Basel bilden die umfangreichen Bestände der Emanuel Hoffmann-Stiftung. 1933 auf der modernen Sammlung des Ehepaars Maja und Emanuel Hoffmann-Stehlin begründet, sammelt die Stiftung bis heute fortwährend Gegenwartskunst und ergänzt, seit 1941 eng mit der Öffentlichen Kunstsammlung Basel verbunden, geradezu ideal die Bestände des Kunstmuseums. Werke wie Giorgio de Chiricos metaphysisches, für den Surrealismus wegweisendes Gemälde L’énigme de la fatalité (1914) sowie Salvador Dalís ikonische Girafe en feu (um 1936/1937) zählen zu den herausragenden Meisterwerken der Stiftung. Sie repräsentieren hier den figurativen Surrealismus. Auch Max Ernst ist in der Stiftung bedeutend vertreten. 1932, kurz vor seinem tödlichen Unfall, ermöglichte Emanuel Hoffmann ausserdem den Ankauf von Ernsts La grande forêt (1927) für das Kunstmuseum Basel.

Schenkung Arp-Hagenbach I

Systematisch zu sammeln begann Marguerite Arp-Hagenbach (1902–1994) im Anschluss an die Konstruktivisten-Ausstellung, die sie 1937 in der Basler Kunsthalle gesehen und die sie zutiefst beeindruckt hatte. Zunächst kaufte sie ein Gemälde von Sophie Taeuber-Arp sowie eine konstrukti-vistische Komposition von László Moholy-Nagy, LIV von 1936 (Raum 15). In den 1960er Jahren hatte sie an die 1000 Werke zusammengetragen – davon schenkte sie dem Kunstmuseum Basel 1968 den Kernbestand von insgesamt 290 Gemälden, Plastiken und Papierarbeiten. Zum Künstlerpaar Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp entwickelte sich eine besonders enge freund-schaftliche Verbindung. Marguerite kaufte fortan jährlich ein Werk von Sophie oder Hans an. Nach dem frühen tragischen Tod Sophies übernahm Marguerite vermehrt administrative Aufgaben für Hans. Mit der Heirat 1959 wurde die Sammlung mit Hans Arps eigenen Beständen, die auch Werke von Künstlerfreunden wie etwa Kurt Schwitters ent-hielten, zusammengeführt.

Alberto Giacometti-Stiftung

Der amerikanische Industrielle David G. Thompson trug um 1955 die wohl bedeutendste private Sammlung mit Werken von Alberto Giacometti zusammen. Als das Konvolut von insgesamt 61 Skulpturen, 7 Gemälden und 21 Zeichnungen 1960 bei der Galerie Beyeler in Basel zum Verkauf stand, wurde am Kunsthaus Zürich – unterstützt von verschiedenen Privatpersonen – die Stiftung gegründet, die Thompsons Sammlung zur Basis ihres Stiftungsbestandes machte. Alberto selbst und später Bruno Giacometti schenkten zahlreiche weitere Werke. Insgesamt 22 Werke der Stiftung befinden sich dank des Engagements des Basler Unternehmers Hans Grether als Depositum im Kunstmuseum Basel. Darunter Boule suspendue (1930), die 1930 die Surrealisten begeistert und inspiriert hatte, und der monolithische Cube (1934), der für Giacometti das Ende des Surrealismus markierte.

Sammlung Im Obersteg II

Die rund 220 Werke umfassende Privatsammlung des Basler Speditionsunternehmers Karl Im Obersteg (1883–1969) wurde 1992 in eine Stiftung überführt und hat seit 2004 als Dauerleihgabe ihr Domizil im Kunstmuseum Basel. Freundschaften mit Künstlern wie Alexej von Jawlensky und die Vorliebe für figurative und expressive Malerei prägten die jeweiligen Ankäufe. Die Ausdruckskraft der Farbe und der eindringliche bis melancholische Blick auf die menschliche Existenz bilden die leitmotivischen Konstanten. Beispielhaft hierfür ist die Buveuse d’absinthe (1901) des knapp 20jährigen Pablo Picasso – ein Spitzenwerk der beginnenden Blauen Periode. Von Bernard Buffet – einem hoffnungsvollen Pariser Nachwuchstalent der Nachkriegszeit – erwarb der Sammler zusammen mit seinem Sohn Jürg zu Beginn der 1950er Jahre 24 Gemälde. Karge Landschaften und eine triste Dingwelt sind die Kulissen einer pessimistischen Weltsicht. Die Exponate verbinden die für Buffets Frühwerk charakteristische formale Strenge mit klaren grafischen Zeichen und weisen mehrheitlich eine düstere Farbpalette auf.

Schenkung Marguerite Arp-Hagenbach II

Systematisch zu sammeln begann Marguerite Arp-Hagenbach (1902–1994) im Anschluss an die Konstruktivisten-Ausstellung, die sie 1937 in der Basler Kunsthalle gesehen und die sie zutiefst beeindruckt hatte. Zunächst kaufte sie ein Gemälde von Sophie Taeuber-Arp sowie eine konstruktivis-tische Komposition von László Moholy-Nagy, LIV von 1936 (Raum 15). In den 1960er Jahren hatte sie an die 1000 Werke zusammengetragen – davon schenkte sie dem Kunstmuseum Basel 1968 den Kernbestand von insgesamt 290 Gemälden, Plastiken und Papierarbeiten, darunter einige Spitzenwerke. Franz Meyer, damals Direktor des Kunstmuseums, durfte weitgehend frei aus einem „der herrlichsten Privatmuseen moderner Kunst“ wählen. Schwerpunkt der Sammlung blieb stets die unge-genständliche Kunst, die Abstraktion, ob in kon-kreter oder konstruktivistischer Form. Diese Kunstrichtung wäre in der Basler Sammlung nicht in dieser Dichte vorhanden, wären mit der Schen-kung nicht bedeutende Werke von Mondrian, van Doesburg, Vantongerloo, Pevsner und Moholy-Nagy ins Museum gelangt.